Staat, Nation, Patriarchat, Scheiße! Ein Rückblick auf die feministische Nachttanzdemo und eine Vorschau auf die nächsten Monate

Staat, Nation, Patriarchat, Scheiße! Ein Rückblick auf die feministische Nachttanzdemo und eine Vorschau auf die nächsten Monate

Am Abend des 28.08.2015 haben wir mit unserer Nachttanzdemonstration unter dem Motto „Feminism? Hell, Yeah!“ feministische Inhalte durch die Saarbrücker Innenstadt getragen. Es nahmen ca. 80 Menschen teil, über deren Erscheinen wir uns sehr gefreut haben. Nach anfänglichen technischen Schwierigkeiten, begann die Auftaktkundgebung um ca. halb 8 am Max Ophüls Platz. Hier brachten wir zunächst unsere Wut gegenüber den täglich stattfindenden rassistischen Übergriffen und versuchten Mordanschlägen, und unsere Trauer um die Menschen, die Europas Abschottungspolitik zum Opfer gefallen sind, zum Ausdruck. Im Anschluss folgte eine Begrüßung, die den anwesenden Kungebungsteilnehmer*innen und Passant*innen verdeutlichte, warum wir an diesem Abend auf die Strasse gingen. Es sollte eine bunte, kraftvolle feministische Demonstration für das Selbstbestimmungsrecht eines jeden Menschen und gegen Heterosexismus werden. Ob die Ablehnung aller von heteronormativen Formen des Zusammenlebens abweichenden Lebensformen dabei von bürgerlicher, staatlicher oder von offen faschistischer Seite kommt – beides sind zwei Seiten einer Medaille die es insgesamt anzugreifen gilt. Wir wollten auch deutlich machen, dass gesellschaftliche Kämpfe nur gemeinsam geführt werden können, dass also der Kampf gegen Sexismus, Homo- und Transfeindlichkeit mit den Kämpfen gegen andere Unterdrückungsmechanismen zusammengeführt werden muss. Feminismus bedeutet für uns mehr als nur die gesellschaftliche Gleichstellung der Frau.

Unser Weg führte uns durch wichtige Punkte der Saarbrücker Innenstadt bis zur Europagalerie, wo eine Zwischenkundgebung stattfand. Hier gab es zwei Redebeiträge. Einen zur Lage der Frau in Rojava und einen gegen Trans- und Homofeindlichkeit. Von dort aus ging es, durch das Nauwieser Viertel zurück zum Max Ophüls Platz, wo noch eine Abschlusskundgebung stattfand. Auf dem gesamten Weg lief tanzbare Musik, welche vom Kollektiv 115 live aufgelegt wurde. Danke nochmal hierfür! Es gab von vielen Passant*innen sehr positive Rückmeldungen, insgesamt konnten einige Menschen auf die Thematik aufmerksam gemacht werden. Wir werten diesen Abend als Erfolg, auch wenn es natürlich noch Luft nach oben gibt.

Wie bereits angekündigt, war die Demo der Startschuss zu einer kleinen Kampagne. Weiter geht’s vorerst mit einer Buchvorstellung und einem Vortrag. Am 27.10.2015 stellen die Autorinnen Lilly Lent und Andrea Trumann ihr Buch „Kritik des Staatsfeminismus Oder: Kinder, Küche, Kapitalismus“ (Erschienen im Juni bei Bertz + Fischer Verlag) vor. Das Buch wird wie folgt beschrieben: „Frauenquoten in Aufsichtsräten, garantierte Kitaplätze, Eltern- und Betreuungsgeld – „Gender Mainstreaming“ scheint in den letzten Jahren zu einem zentralen Anliegen staatlicher Politik geworden zu sein. Dabei gerät die dunkle Seite dieser „Emanzipation“ jedoch aus dem Blick: Von der neoliberalen Umverteilungs- und Verarmungspolitik sind vor allem Frauen betroffen, der Niedriglohnsektor ist vornehmlich weiblich, und schlecht bezahlte Sorge- und Pflegearbeit wird weiterhin meist von Frauen erledigt. Und auch die angeblich auf Gleichstellung der Geschlechter zielende Frauen- und Familienpolitik des Staates verfolgt bei genauerer Betrachtung ganz andere Zwecke.“ Der Veranstaltungsort und die Uhrzeit werden noch bekannt gegeben.

Am Donnerstag, den 05.11.2015, referiert Juliane Lang ab 18:30 Uhr in den Räumen der Peter-Imandt-Gesellschaft Saarbrücken zu dem Thema „Antifeminsmus von Rechts“. Im selbsterklärten „Kampf gegen den Genderismus“ und mit populistischen Forderungen zur Besserstellung „deutscher Familien“ hat die extreme Rechte strömungsübergreifend Themen ausgemacht, von denen sie sich Anschluss an Diskurse im bürgerlichen Mainstream verspricht. Sie bewegt sich hier in einem Fahrwasser mit Familienpopulist*innen und Antifeminist*innen unterschiedlicher politischer Couleur und gesellschaftlicher Hintergründe. Auch wenn eine offene Zusammenarbeit bislang nur punktuell zu beobachten ist, bedienen extreme Rechte und der organisierte Antifeminismus ähnliche Diskurse etwa in den polemischen Angriffen gegen einen omnipotent imaginierten „Feminismus“ und ein spektrenübergreifend konstruiertes Feindbild „Genderismus“. Juliane Lang diskutiert die Frage, wo Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Strategien liegen und inwieweit es der extremen Rechten gelingt, direkt oder indirekt Einfluss auf gesellschaftliche Prozesse zu nehmen.

Bei beiden Veranstaltungen ist der Eintritt frei, wir freuen uns jedoch über eine kleine Spende. Wir freuen uns auch auf interessante und anregende Diskussionen mit euch!

Hier findet ihr noch unseren Redebeitrag über kurdische Frauen* im Widerstand und hier den Redebeitrag gegen Homo- und Transfeindlichkeit.